Heiße Phase im Kampf um die Olympiatickets


Brandenburgische Ringer gehen in die heiße Phase im Kampf um die Olympiatickets. 5 RVB-Ringer kämpfen in China um Tickets für London 2012.

Taiyuan – Für Brandenburgs Ringer geht es am Wochenende im Kampf um die Olympiatickets für London 2012 um ‚Alles oder Nichts‘ .Nachdem beim Europa-Turnier in Sofia (BUL) am vergangenen Wochenende mit Nick Matuhin (120 kg)aus der Freistilhochburg Luckenwalde nur ein Starter aus der Region vertreten war, kommen im chinesischen Taiyuan nun noch die Griechisch-Römisch-Spezialisten Erik Weiß (60 kg), Mirko Englich (96 kg) und Nico Schmidt (120 kg) aus dem Bundes-Leistungszentrum Frankfurt(O.) hinzu. Yvonne Englich startet am Sonntag, dem 3.- und letzten Kampftag bei den Frauen ins Rennen um die Olympiafahrkarten.


Den Auftakt beim dreitägigen Turnier in China machen die Ringer aus dem freien Stil, wobei Nick Matuhin erst am zweiten Tag in die Kämpfe eingreifen wird, wenn auch die Griechisch-Römisch.-Spezialisten der Gewichtsklassen 55 kg, 60 kg, 66 kg, 74 kg und 84 kg die Olympiatickets anvisieren. Damit gehen Erik Weiß (60 kg) und Nick Matuhin am Samstag als erste brandenburgische Ringer auf die Matten. Am Sonntag starten dann die Frankfurter Mirko Englich (96 kg), Nico Schmidt (120 kg) und Yvonne Englich ins Rennen um die Fahrkarten zu den Olymischen Spielen, die in Taiyuan an die beiden Finalisten jeder Gewichtsklasse ausgehändigt werden, die beiden Drittplatzierten jeder Kategorie bestreiten einen zusätzlichen Kampf um das dritte Ticket, das in jeder Kategorie zu vergeben ist.

„Unsere Athleten haben hart auf diesen Moment hin trainiert und auch bei den Vorbereitungsturnieren gezeigt, dass sie in der Lage sind um die Vergabe der Tickets ein Wörtchen mitzureden“, schickt Frankfurt‘s Stützpunkttrainer Jörn Levermann seine Ringer gut gerüstet auf die vier Matten. „Nun muss einfach alles passen, ein gutes Los und ordentliche Tagesform sollten den Weg in die Spitze der Gewichtsklassen ebnen“, muss Levermann seine Ringer nicht anspornen, denn die wissen worum es in Taiyuan geht und sind entsprechend motiviert.
„Endlich geht es los, ich habe die Warterei satt“, scharrt Schwergewichtler Nico Schmidt schon lange mit den Hufen, der RSV-Ringer will endlich den lang gehegten Wunsch umsetzen und bei Olympischen Spielen auf der Matte dabei sein. „Ich bin über 30 Jahre und da wird es zugleich mein letzter Anlauf sein“, sieht Schmidt London 2012 als letzte Chance und will auch entsprechend darum kämpfen.

Mirko Englich hat das Procedere schon einmal durch, 2007 verpasste er die direkte Qualifikation über die Weltmeisterschaften. Damals erhielten noch die besten sieben Ringer jeder Gewichtsklasse ein Olympiaticket, Englich kam in Baku (AZE) jedoch nicht über den 25. Rang hinaus. Dann wechselte der Wittener ins Leistungszentrum nach Frankfurt(O.), zu Trainer Jörn Levermann, der dem Ausnahmeathleten neue Kraft einhauchte und drei Monate später ließ sich Mirko Englich in Tampere (FIN) als Vize-Europameister 2008 feiern. Wieder drei Monate später löste er in Novi Sad (SRB) das Olympiaticket für Peking 2008, wo er letztendlich die Silbermedaille gewann. Für 2012 hat er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Yvonne Englich das große Ziel gesetzt, in London im Familien-Doppelpack auf die Matte zu gehen und erneut um die Medaillen mitzukämpfen. Seither hat sich Mirko Englich in der Weltspitze etabliert und kämpft mit den Großen der Halbschwergewichtsklasse wie Timofej Dzeynichenko (BLR), Schalwa Gadabadze (AZE), Jimmy Lidberg (SWE), oder Minaugas Ezersgis (LIT) ordentlich mit.

Weitaus schwerer hat es da Ehefrau Yvonne Englich, die mit Kind und Kegel dem Ehemann von Witten nach Frankfurt(O.) folgte und ein Come back startete. Yvonne Englich hat sich auf Europäischer Bühne etabliert und das mit Bronze bei der ‚Heim-EM‘ 2011 in Dortmund auch dick unterstrichen. Zu den starken Asiatinnen ist es jedoch noch ein ganzes Stück. „Es haben sich zwar schon eine ganze Reihe außergewöhnlich starker Ringerinnen in dieser Kategorie für Olympia qualifiziert, doch sind immer noch genügend starke Ringerinnen in der Warteschleife, die ebenso auf ihre Chance warten, noch auf den Zug nach London aufzuspringen“, verweist Frauen-Landestrainer Michael Kothe (Frankfurt/O.) auf die Niederlagen, die am vergangenen Wochenende in Sofia Aline Focken (KSV Krefeld) einstecken musste, die ebenso wie Yvonne Englich im Limit bis 63 kg kämpft. Holt Yvonne Englich das Olympiaticket in Taiyuan, dann muss beim Abschlussturnier in Helsinki diese Kategorie durch den DRB nicht mehr besetzt werden.

„Es wird ein echtes ‚Hammerturnier‘, da werden alle Reserven mobilisiert“, so Jörn Levermann mit Blick auf die Teilnehmerlisten. Levermann hatte schon beim Europaturnier in Sofia die Konkurrenz eingehend studiert und weiß, was auf seine Ringer- und die Ringerdame aus Frankfurt(O.) zukommt. „Es wird verdammt schwer, aber es ist machbar, wenn sich jeder im Klaren darüber ist, um was es geht und sein gesamtes Können in die Kämpfe wirft“, stirbt die Hoffnung auch bei Jörn Levermann erst ganz zuletzt.