18.09.10 - AV Marktneukirchen vs. KG Frankfurt (O)

Herzschlagfinale in Markneukirchen - Oderstädter ohne Fortune
Markneukirchen – Die Erstligaringer der KG Frankfurt(O.)/Eisenhüttenstadt haben am Samstagabend beim AV Germania 06 Markneukirchen mit 15:18 nur knapp verloren, die Schützlinge von Trainer Sebastian Möser stehen nun mit ausgeglichenem Punktverhältnis von 4:4 Zählern auf dem 4. Platz der Tabelle.

Kopfschüttelnd verließ KG-Trainer Sebastian Möser die Sporthalle am Gymnasium in Markneukirchen, gerade hatte seine Mannschaft einen Kampf geliefert, der an Dramatik kaum zu überbieten war, doch im Gegensatz zum letzten Heimduell gegen Thalheim, dass MarThätner in letzter Sekunde noch zugunsten seines Teams 'umbog', blieben die Punkte diesmal in Südsachsen.

Einer, den man zu allerletzt die Schuld an der Niederlage geben konnte, war Schlussringer Marcus Thätner (74 kg/GR). Der EM-Dritte von 2007 hätte zwar wie schon gegen Thalheim dem Kampf noch eine Wende zum Sieg- oder zumindest zum Unentschieden geben können, doch hieß diesmal der Kontrahent Martin Szabo, ein junger Ungar, der zu den stabilsten Kämpfern der höchsten Kampfklasse zählt. Dennoch setzte Marcus Thätner alles daran, Szabo in die Schranken zu weisen. In der ersten Runde gelang das dem Oderstädter mit einer Rolle im Bodenkampf, doch im zweiten Durchgang nutzte der Ungar in Markneukirchner Diensten die stürmisch vorgetragenen Angriffe zum eigenen Wurf und Thätner fand sich in der Brücke wieder. Er kämpfte sich mit Mühe aus der bedrohlichen Lage und begann einen Sturmlauf, der am Ende der 5 dramatischen Runden nicht belohnt wurde. „Szabo machte einfach dicht, ließ nichts zu, blockierte alle Angriffe, wurde zwar ständig ermahnt, doch die Verwarnung blieb aus“, ärgerte sich Thätner, dass Ringer immer wieder mit passiver Kampfesweise zum Sieg kommen und den griechisch-römischen Stil damit Schaden zufügen, denn schön anzuschauen war das, was die beiden Ungarn Krisztian Jäger (66 kg/GR) gegen Marc Wentzke- und eben jener Martin Szabo gegen Marcus Thätner boten, nicht. Thätner stürmte, jagde den Gegner 5 Runden vor sich her, ob der Ungar das Ende des Duells überhaupt noch 'Live' mitgeschnitten hat ist nicht überliefert, jedenfalls brach er nach dem Abpfiff völlig entkräftet zusammen und blieb erst einmal liegen. Doch die Siegpunkte wanderten auf das Konto der Gastgeber, die damit 18:15 gewannen.

„Markneukirchen stand heute einfach kompakter, war in mehreren Gewichtsklassen besser besetzt und hat daher verdient gewonnen“, analysierte Sebastian Möser, nachdem sich der Ärger gesetzt hatte, denn verloren hat sein Team den Kampf schon in der ersten Halbzeit des Kampfabends. Chancenlos war dort Toni Ploke (55 kg) im ungewohnten Freistil, der gegen den bulgarischen Spitzenringer Stoyan Iliev technisch, nach Punkten unterlag. Ronald Kraft (120 kg/GR) hätte Möser eher einen Rundengewinn- wenn nicht mehr zugetraut, denn sein slowakischer Gegner wog 20 kg weniger. Der Beeskower schaffte keine Wertung im Bodenkampf, aber auch sein Kontrahent Filip Köszeghy trotz dreier Siegrunden nicht, so dass nur ein Zähler auf das Markneukirchner Mannschaftskonto wanderte. Mit einem guten Kampf, vielen schönen Techniken und am Ende auch mit einem Überlegenheitssieg wartete Christoph Bast auf, der das Markneukirchner Eigengewächs Heiko Holzapfel deutlich in die Schranken wies. Robert Glor (96 kg/FR) gewann die erste Runde gegen Markneukirchens Neuzugang Svetoslav Lyutskanov mit 2:0, doch dann spielte der Bulgare seine Stärken aus und sicherte sich die Folgerunden mit jeweils 1:0 zum 3:1-Gesamtsieg. Schwer tat sich Dennis Langner (66 kg/FR) gegen Denny Latzke, am Ende jedoch eine klare Sache für den Deutschen Vizemeister 2010, der den Markneukirchner in 3:0 Runden (3:0, 2:0, 1:0) bezwang und den 8:8-Halbzeitstand herstellte.

Zum Beginn der zweiten Hälfte des Kampfabends war zunächst Markneukirchen am Drücker. Der Slowake Marian Mihalik (84 kg/GR), gerade zurück von der Weltmeisterschaft aus Moskau, präsentierte sich in guter Form, gab nur die 2. Runde gegen Tom Linke ab und sicherte sich vor allem im Bodenkampf einen klaren 3:1-Rundenerfolg. Linke wehrte sich tapfer, sein Minimalziel dürfte er mit dem Rundengewinn gegen den Dritten der Militär-WM diesen Jahres erreicht haben. Mit einem passiv eingestellten Kontrahenten hatte es Marc Wentzke zu tun. Immer wieder versuchte sich der von Berlin zurückgekehrte KG-Leichtgewichtler mit Bodentechniken in der Bodenrunde, doch der Ungar Krisztian Jäger wehrte alle Angriffsversuche ab. Doch auch Jäger machte selbst keinen technischen Punkt und bekam nach drei Siegrunden dafür auch nur einen Mannschaftszähler gut geschrieben. In allen drei Runden versuchte der Frankfurter, der zum Saisonbeginn von Luftfahrt Berlin an die oder zurückgekehrt war, sein Glück als Obermann im Bodenkampf, doch der Ungar wehrte alle Angriffe erfolgreich ab.

Mittelgewichtler Yuri Maier (84 kg/FR), gerade erst von den Weltmeisterschaften aus Moskau zurück, wo er für Argentinien gestartet war, hatte er mit Ex-Europameister Andre Backhaus gleich einen schweren Kontrahenten, gegen den er in allen drei Runden das Nachsenen hatte. 15:9: so der Mannschaftsstand vor den beiden Weltergewichtskämpfen. Doch die KG Frankfurt(O.)/Eisenhüttenstadt holte durch Levon Asatrjan (74 kg/FR) noch einmal auf, der Armenier, der schon seit 6 Jahren in Deutschland lebt und in Markneukirchen seinen ersten Kampf für die Oderstädter bestritt, schulterte Rico Piesendel noch in der ersten Runde und feierte seinen Sieg in armenischer Manier mit der Familie auf der Matte, die vom Ordnungsdienst schnell wieder auf die Zuschauerplätze zurückgeholt wurde.

Mit einem 3:0 hätte Marcus Thäter im letzten Kampf noch den Sieg-, mit einem 3:1- das Unentschieden herausholen können. Doch wie eingangs beschrieben war 'Fortune' in Markneukirchen nicht auf Seiten der Kampfgemeinschaft von der Oder und der Technikstudent unterlag knapp und umstritten mit 2:3 Runden.

„Wir sind erst einmal erleichtert, haben zwei Pluspunkte auf dem Konto, das ist das Allerwichtigste“, freute sich Trainer und Leistungsträger Andre Backhaus über den ersten Saisonsieg seines Teams. Hier haben einfach alle mitgezogen, geschoben, gekämpft, getrommelt und die Daumen gedrückt“, schloss er auch die Fans in das Lob für die geschlossene Markneukirchner Leistung ein.

„Wenn Marc Wentzke und Ronald Kraft jeweils auch nur eine Runde holen, dann sieht das hier schon anders aus, doch bei allem Wenn- und Aber, wir haben hier heute einen Kampf auf Augenhöhe geliefert und das sollte uns Mut machen“, gewann KG-Trainer Sebastian Möser der Niederlage auch positive Seiten ab.

JR