Deutsche Meisterschaft der Junioren (GR) in Frankfurt(O.)


2 Titel und dreimal Silber für das Leistungszentrum Frankfurt(O.)
Sonderlob von DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis für den Ausrichter

Frankfurt(O.) - „.. Frankfurter Jungs, Frankfurter Jungs, wir sind alles Frankfurter Jungs“ ! So schallten die Schlachtgesänge der Ringer, deren Freunde, Eltern und vieler Zuschauer aus der Odermetropole am Wochenende durch die Brandenburghalle. Sie kommen aus Nordrheinwestfalen, aus Hessen, Bayern, aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt und sie haben eines gemeinsam; sie gehen in Frankfurt(O.) zur Schule, lernen und trainieren zusammen, in der Odermetropole, trösten sich bei Niederlagen, feiern gemeinsam ihre Siege, die Ringer aus dem Leistungszentrum Frankfurt(O.).

Am vergangenen Wochenende nutzten sie den Heimvorteil und präsentierten sich bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren in gutem Licht. Insgesamt 9 junge Ringer aus den Trainingsgruppen von Heinz Thiel und Felix Thätner kämpften sich in die Finals um Gold und Bronze, allein fünf Ringer aus dem Frankfurter Stützpunkt standen im Endkampf um den Meistertitel in ihrer Gewichtsklasse.

Zwei Gold- und drei Silbermedaillen, so die Medaillenbilanz der Frankfurter Kaderschmiede nach Abschluss der Kämpfe, wobei Juniorentrainer Felix Thätner gar noch einigen Medaillen hinterher trauerte, die knapp verpasst wurden.

Alexander Ginc (50 kg) kam vom SAV Torgelow nach Frankfurt(O.), ist eigentlich noch in der jüngeren A-Jugend zu Hause, was den Gewinn des Deutschen Meistertitels bei den Junioren erst recht dick unterstreicht. Das Nordlicht aus der Frankfurter Eliteschule des Sport's hatte 5 Gegner in der leichtesten Gewichtsklasse dieser Titelkämpfe, nacheinander bezwang Ginc im Eilzugtempo Paul Schroth (KSV Ludwigsburg/Neckarweihingen), Nick Scherer (SV Eschbach 1967), Pascal Hilpert (KSV Sulzbach), Daniel Layer (SVG Nieder-Liebersbach) und im Finale Dario Keimig (SC Großostheim) jeweils noch in der ersten Kampfrunde, holte sagenhafte 45:1 Wertungspunkte und ließ damit selbst Nachwuchs-Bundestrainer Maik Bullmann anerkennend schmunzeln.

Nico Brunner (96 kg) hat im Kadettenbereich schon einige Erfolge erkämpft, war 2011 schon Bronzemedaillengewinner bei den Europameisterschaften. Nun nimmt der Ringer, der aus Nordrheinwestfalen nach Frankfurt(O.) kam, auch bei den Junioren Anlauf, der Deutsche Meistertitel 2014 war der erste Schritt auf die internationale Bühne.

Gleich im ersten Duell lag Nico Brunner gegen Etienne Wyrich (SV Brötzingen) noch zurück, drehte das Duell mit zwei Schulterwürfen noch zu seinen Gunsten. Dann hielt den jungen Ringer vom KSV Witten nichts mehr auf, nach Erfolgen über Daniel Reiner (KSV Tennenbronn), und Etka Sever (VfK Schifferstadt), stand Nico Brunner im Finale seinem Trainingsgefährten Christoph Matz (RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) gegenüber, den er mit 3:1 Wertungspunkten bezwang und sich damit den Deutschen Meistertitel sicherte.

Christoph Matz hatte damit Silber erkämpft, in der Vorrunde warf der Frankfurter Roman Schnell (AC Köln-Mülheim) und Serhat Deveci (KSV Rimbach) aus dem Rennen, bevor er auf Nico Brunner traf.

Auch Niklas Ohff (60 kg) kämpfte sich mit einer bemerkenswerten Leistung ins Finale, Lukas Demberger (ASV Pirmasens) und Henry Hoffmann (RSK Gelenau) standen gegen Ohff auf verlorenem Posten. Viele hatten mit dem Traumfinale des Lokalmatadoren gegen den amtierenden Kadettenweltmeister Etienne Kinsinger (KV Riegelsberg) gerechnet, doch der Saarländer hatte überraschend gegen Christopher Kraemer (TSV Westendorf) verloren, der nun statt Kinsinger gegen Ohff das Finale bestritt. Die Passivitätsverwarnung und den anschließenden Bodenkampf nutzte der Ringer aus Westendorf zum Überlegenheitssieg über Niklas Ohff, der damit Silber gewann.

Den Coup der Titelkämpfe des Wochenendes lieferte jedoch Nils Böhm (74 kg), der im Halbfinale in einem an Spannung nicht zu überbietenden Duell den amtierenden Europameister Louis Stumpe (ASV Nendingen) schulterte. Die Brandenburg-Halle stand Kopf, bei diesem Duell schäumte die Stimmung über, der brandenburgische Anhang hatte sich mit den vielen Hessen vereinigt, die in Frankfurt(O.) angereist waren, denn Nils Böhm kommt vom ASV Schaafheim trainiert jedoch schon einige Jahre an der Oder. Schon auf dem Weg ins Halbfinale musste Böhm harte Kämpfe gegen seinen Trainingskameraden Felix Pflauger (TSV Burgebrach) und Christian Fochtler (SV Joh. Nürnberg) überstehen, harte Kämpfe, die viel Kraft kosteten. Die fehlten dann Nils Böhm im Finale gegen den starken Hannes Wagner (AC Lichtenfels), der im Bodenkampf gegen den verletzungsbedingt angeschlagenen Frankfurter Sportschüler (Knöchelverletzung) entscheidend punktete.

Felix Pflauger (74 kg), Tim Bitterling (66 kg), Roy Lehmann (55 kg) und Simon Paapsdorf (84 kg) konnten einem fast leid tun, denn allesamt unterlagen trotz riesigem Kampfgeist und starken Vorrundenduellen, letztendlich im Kampf um Bronze und schlitterten damit am Podium vorbei auf fünfte Ränge ihrer Gewichtsklassen.

Doch auch diese Punkte der RSV Hansa-90-Ringer Tim Bitterling und Roy Lehmann halfen Frankfurt(O.) zum Sieg in der Vereinswertung, vor dem VfK Schifferstadt und dem KV Riegelsberg, die punktgleich auf Rang zwei über die Ziellinie schlitterten.

116 Teilnehmer bedeuteten gut gefüllte Teilnehmerfelder, bei denen jedoch Nachwuchs-Bundestrainer Maik Bullmann neben viel Licht, auch Schatten erkannte. „Wir sind nicht durchgängig gut besetzt“, sah der Ex-Weltmeister schlichtweg zu wenig Techniken. So auch DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis: „... wir müssen mit den Vereinen und Stützpunkten arbeiten, der Schwerpunkt muss auf den technischen Fertigkeiten liegen, die vor allem bei den Kadetten und Junioren noch ausgeprägt werden müssen, um dann auch international bestehen zu können“.

Zumindest mit dem Kampfgeist seiner Athleten war der Frankfurter Stützpunktverantwortliche Heinz Thiel zufrieden: „... Jeder hat hier gekämpft und alles gegeben, viele unserer Ringer gehören noch den jüngeren Jahrgängen an und haben gezeigt, dass sie auf einem guten Weg sind“.

Einig waren sich alle im Bezug auf Organisation und Umfeld der Meisterschaftskämpfe. „Hier hat alles gepasst, die Titelkämpfe liefen in einem schönen Umfeld reibungslos ab, das riesige Helferteam hat gute Arbeit geleistet“, so das Sonderlob von DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis an den Gastgeber, der Anfang April erneut ein Event ausrichtet, wieder sind es dann die Junioren, die beim Brandenburg-Cup gegen Konkurrenz aus etwa 15 Nationen antreten werden.


Randgeschichten:

Seine Geburtstagsfete verlegte der Präsident des RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) Michael Kothe kurzerhand in die Brandenburghalle. Geschäftsführer Ralf Keller wusste es und gratulierte ihm zum Wiegenfest, vor Beginn der Kämpfe mit einem Blumenstrauß.

Mit Rudolf Vesper und Lothar Metz waren gleich zwei Olympiasieger von 1968 in der Brandenburg-Halle, die beide in diesem Jahr 75 Jahre jung werden. Der DRB-Präsident Manfred Werner hingegen musste wegen einer Zahn-OP passen und konnte nicht in Frankfurt(O.) anreisen. Auch DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis kam gesundheitlich angeschlagen an die Oder, Wettkampfarzt Uwe Heuer brachte den Funktionär bis zu den Finals am Sonntag wieder auf die Beine.

Begeistert zeigte sich auch Schirmherr Friedrich Hesse (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oder-Spree), der am Freitagabend die Delegationen empfing und die Wettkämpfe am Samstagmorgen, gemeinsam mit DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis eröffnete. Die Nationalhymne sang Michelle da Silva, die selbst am Leistungsstützpunkt Frankfurt ringt.

Gleich zwei Verabschiedungen gab es am Rande der Meisterschaftskämpfe; für Organisationsleiter Peter Kossow war es das letzte Turnier, beruflich geht er als Laufbahnberater des OSP Brandenburg in den Ruhestand und auch die Zügel als Organisationsleiter legte er schon bei diesen Titelkämpfen in die jüngeren Hände von Maik Bitterling. Auch Schwergewichtler Nico Schmidt beendete seine leistungssportliche Laufbahn, für den EM-Dritten von 2009 und Militär-Weltmeister von 2001, der auch 10 deutsche Meistertitel für den RSV Hansa 90 gewann, 9 davon in ununterbrochener Folge – gab es noch einmal eine Ehrung und den Applaus der vielen, fachkundigen Zuschauer.

Zurück in Frankfurt(O.) - Thomas Franke, der ehemals für den Eisenhüttenstädter RC viele Erfolge nach Ostbrandenburg holte, kehrte mit seinem neuen Verein RC Hausen Zell an die Oder zurück. Franke, der einst im Erstligateam der KG Frankfurt(O.)/Eisenhüttenstadt kämpfte, dann aber aus beruflichen Gründen nach Südbaden zog, betreute Schwergewichtler Weiser, der gar im Finale stand und Silber gewann.


Statistik:

Deutsche Meisterschaften Junioren Gr.-röm.
Frankfurt/Oder, 07.-09.03.14


Ergebnis: Junioren Gr.-röm., 50 kg (6 Teilnehmer): 1. Alexander Ginc (SAV Torgelow/MEV), 2. Dario Keimig (SC Großostheim/HES), 3. Pascal Hilkert (KSV Sulzbach/NBD), 4. Daniel Layer (SVG Nieder-Liebersbach/NBD), 5. Nick Scherer (SV Eschbach 1967/SBD), 6. Paul Schroth (KSV Ludwigsburg-Neckarweihingen/WTB).
55 kg (8 Teilnehmer): 1. Dennis Decker (KSV Köllerbach/SRL), 2. Akif Sen (TSG Nattheim/WTB), 3. Janik Rausch (ASC Bindlach/BAY), 3. Pierre Morhardt (AV Germ Sulgen/WTB), 5. Roy Lehmann (RSV Frankfurt/Oder/BRB), 5. Peter Haase (RV Thalheim/SAS).
60 kg (10 Teilnehmer): 1. Christopher Kraemer (TSV Westendorf/BAY), 2. Niklas Ohff (RSV Frankfurt/Oder/BRB), 3. Lukas Demberger (ASV Pirmasens/PFZ), 3. Etienne Kinsinger (KV Riegelsberg/SRL), 5. Maximilian Stadtmüller (RWG Mömbris/Königshofen/HES), 5. Henry Hofmann (RSK Gelenau/SAS).
66 kg (29 Teilnehmer): 1. Mohammed Yasin Yeter (KV Riegelsberg/SRL), 2. Michael Widmayer (TSV Ehningen/WTB), 3. Andrej Kurockin (SC Kleinostheim/HES), 3. Melvin Pelzer (RC Ehrenfeld/NRW), 5. Tim Bitterling (RSV Frankfurt/Oder/BRB), 5. Robin Pelzer (RC Ehrenfeld/NRW).
74 kg (24 Teilnehmer): 1. Hannes Wagner (AC Lichtenfels/BAY), 2. Nils Böhm (ASV Schaafheim/HES), 3. Louis Stumpe (ASV Nendingen/WTB), 3. Roman Berko (KV 95 Stuttgart/WTB), 5. Michael Lutz (SV Johannis Nürnberg/BAY), 5. Felix Pflauger (TSV Burgebrach/BAY).
84 kg (17 Teilnehmer): 1. Denis Kudla (VfK 07 Schifferstadt/PFZ), 2. Julian Neumaier (KSV Hofstetten/SBD), 3. Alexander Tyschkowski (RV Lugau/Erzgebirge/SAS), 3. Edgar Rauch (KSV Haslach i.K./SBD), 5. Simon Papsdorf (SV Luftfahrt Berlin/BLN), 5. Ilja Klasner (KV 95 Stuttgart/WTB).
96 kg (9 Teilnehmer): 1. Nico Brunner (KSV Witten/NRW), 2. Christoph Matz (RSV Frankfurt/Oder/BRB), 3. Serhat Deveci (KSV Rimbach/HES), 3. Etka Sever (VfK 07 Schifferstadt/PFZ), 5. Etienne Wyrich (SV 98 Brötzingen/NBD), 5. Roman Schnell (AC Köln-Mülheim/NRW).
120 kg (11 Teilnehmer): 1. Jan Zirn (KG Baienfurt/WTB), 2. Marius Weisser (RG Hausen-Zell/SBD), 3. Janosch Höfling (SV  Germania Weingarten/NBD), 3. Jello Krahmer (ASV Schorndorf/WTB), 5. David Can (SC Großostheim/HES), 5. Paul Schüle (AC Ziegelhausen/NBD).