Ringen / Ringernachwuchs beendet Meisterschaftsserie



Frankfurt(O.) - Der Ringernachwuchs am Leistungszentrum Frankfurt(O.) hat die Meisterschaftsserie 2011 mit den Weltmeisterschaften der Kadetten in Szombathely (Ungarn) beendet und kann mit Stolz auf eine medaillenträchtige Saison zurück blicken.

Angefangen mit der Goldmedaille bei den Deutschen B-Jugenmeisterschaften in Mühlheim a.d. Ruhr, durch Karan Mosebach, bis hin zu EM-Silber, dass von Luzie Manzke in Warschau (Polen) erkämpft wurde-, eine weitere Bronzemedaille von Nico Brunner krönte den letzten EM-Wettkampftag in der polnischen Hauptstadt.

Dazwischen eine lange Reihe von nationalen- und internationalen Erfolgen der Kadetten, Junioren, aber auch schon der jüngeren B-Jugend, die am Ringer-Leistungszentrum Frankfurt(O.) lernen und trainieren.

Doch die 'Macher' mit dem Stützpunktverantwortlichen Trainer Jörn Levermann, Juniorentrainer Sebastian Möser, sowie Michael Kothe, der sich für den weiblichen Bereich verantwortlich zeigt, die Lehrertrainer Heinz Thiel, Maik Bitterling und Harald Stern, aber auch die vielen, ehrenamtlichen Helfer im Umfeld der Sportler, sehen sich jedoch noch lange nicht am Ziel, höchstens auf einem guten Weg. Viele Landesverbände bekommen mit, was da gerade in Frankfurt(O.) passiert und schicken ihre besten Athleten an die Oder. Inzwischen trainieren Nachwuchsathleten aus Nordrheinwestfalen, Hessen, Bayern, aber auch aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, oder Niedersachsen gemeinsam mit den besten Ringern Brandenburgs am Greco-Stützpunkt in Frankfurt(O.), während sich die Freistilspezialisten am ebenso erfolgreichen Leistungszentrum in Luckenwalde orientieren.

Da platzt mitunter die große Trainingshalle der Ringer im Sportzentrum Frankfurt(O.) fast auseinander, wenn auf den 5 Matten gleich mehrere Trainingsgruppen üben. „Ja, wir stoßen da mitunter schon etwas an unsere Kapazitätsgrenzen, vor allem wenn auch noch Trainingsgruppen aus anderen Vereinen und Verbänden anreisen, um mit uns zu trainieren“, so Stützpunkttrainer Jörn Levermann, der gemeinsam mit seinen vielen Helfern den Standort zu einem der Besten in Deutschland machte. Nach langer Durststrecke waren es 2007 Damian Hartmann, Ricardo Melz und Marcus Thätner, die internationale Medaillen an die Oder holten Inzwischen hat der Name des Ringerzentrums Frankfurt(O.) auch international wieder einen guten Klang, nicht umsonst schicken bis zu 15 internationale Ringerverbände ihre besten Athleten jedes Jahr zum Brandenburg-Cup nach Frankfurt(O.), der zu einem der größten Juniorenturniere Europas wuchs.

Zurück zu den eigenen Trainingsgruppen – zur Talentschmiede in der Stendaler Straße 26. Internationale Medaillen zu erringen, prangt als das große Ziel über den Ringern aus dem Leistungszentrum Frankfurt(O.), Gold, Silber- oder Bronze als Lohn für hartes Training und vielen Entbehrungen, die Leistungssportler eben auf sich nehmen.Dieses Gefühl hatten 2011 vor allem Luzie Manzke und Nico Brunner, die bei ihren allerersten internationalen Titelkämpfen überhaupt, zu Medaillenehren kamen. Dieses Gefühl hatte auch Eileen Friedrich, die nun schon 5 Jahre in Folge auf internationalen Siegerpodesten präsent ist und sich inzwischen auch bei den Juniorinnen in der europäischen Spitze 'festgebissen' hat. Bei den Junioren-Europameisterschaften gewann Eileen Friedrich die Bronzemedaille. Bei den jungen Männern hat es Nico Brunner geschafft, der von Witten (NRW) nach Frankfurt (O.) an die Sportschule kam und nun seine bisherige Laufbahn mit EM-Bronze krönte. Toni Ploke verpasste in Warschau den Sprung auf das Treppchen nur knapp. Auch die Junioren Christian John, Alexander Grebensikov, sowie Tim Bitterling bei den Kadetten sind aussichtsreiche Nachwuchsringer, die nun noch 'eine Schippe' zulegen, um 2012 den Sprung auf das internationale Treppchen zu schaffen. Nach dem Turnier ist vor dem Turnier, die neue Saison hat längst begonnen.

Vor allem der weibliche Bereich ist als sogenannte 'dritte Stilart' noch recht jung am Standort Frankfurt(O.), der sich seit 2001 nur mit dem klassischen Ringkampf beschäftigte. Doch die Frauen und Mädchen drängen immer mehr in die männerdominierten Sportarten – in Frankfurt(O.) hat das vermeintlich schwache Geschlecht längst mehr als nur einen Fuß in der Tür zur Ringerhalle.

Wir sprachen mit der EM-Silbermedaillengewinnerin Luzie Manzke über ihren Sport, aber auch darüber wie es begann und wie das Umfeld auf das doch noch recht ungewöhnliche, leistungssportliche Treiben reagiert.

Wann hast du deine ersten Schritte auf die Matte gemacht ?

Luzie Manzke; „Mein Vater hat mich schon als kleines Mädchen oft mit zum Training genommen, von daher wusste ich was dort abgeht, doch zum Ringen geholt hat mich Nachwuchstrainer Harald Stern während einer Sichtungsveranstaltung in unserer Schule. Da war ich in der 2. Klasse – also vor 8 Jahren. Meine Mutter, die bislang nur mit einem Ringer 'zu kämpfen' hatte, war nicht begeistert, aber was wollte sie machen ?“

Wie haben Freunde und Mitschüler auf das Hobby Ringkampf reagiert ?

Luzie Manzke; „Das war nicht einmal außergewöhnlich, selbst meine Freundin Franzy Rädelt war damals schon bei den Ringern. Da haben wir uns Nachmittags immer bei mir zu Hause getroffen und wurden dann mit dem Bus ins Sportzentrum gebracht“.

Wie geht man selbst mit der doch noch recht seltenen Frauensportart Ringen um ?

Luzie Manzke; „Als ich nich kleiner war, wollte ichj einfach Jungs besiegen, wollte ihnen zeigen, das Mädchen genausoviel drauf haben. Ich denke Kampfsport prägt ein gutes Selbstbewusstsein aus, das man heute auch als Mädchen einfach haben muss“.


Gibt es in der eng bemessenen Freizeit auch noch Raum für andere Hobby's ?

Luzie Manzke; „Eigentlich nicht, ich bin seit 2008 an der Sportschule. Da bekommt man Sport und Schule zwar unter einen Hut, aber Zeit für andere Hobbys hat man nicht. Ich hab einen Freund, mit dem ich meine Freizeit verbringen möchte. Auch für ihn war es anfangs ungewohnt, doch inzwischen kommt er auch mit und sieht sich meine Kämpfe an“.

Du hast dich nach einer schweren Verletzung im Dezember 2010 wieder heran gekämpft ?

Luzie Manzke; „Ja, es war eine schwere Zeit, ich hatte mir bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften das Handgelenk gebrochen, mich dann aber bis zu den Deutschen Meisterschaften wieder heran gekämpft, mit Laufen, Radfahren und leichtem Mattentraining wieder in Form gebracht. Nach dem Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin haben wir die EM anvisiert“.

Das erste Mal bei einer internationalen Meisterschaft dabei, dann gleich Silber – wie war der Empfang zu Hause in einer doch recht 'ringkampfverrückten' Familie ?

Luzie Manzke; „Das war einfach überwältigend, am Haus hing ein Willkommensgruß, die ganze Familie war da mit Konfetti und Blumen und dann gab es noch eine riesen Grillparty“.

Und während des Wettkampfes, hast du da an eine mögliche Medaille gedacht ?

Luzie Manzke: „Erst beim Sieg im Halbfinale, da war die EM, mit dem Finaleinzug für mich eigentlich schon gewonnen. Da ist die ganze Last abgefallen, ich war überglücklich, hab aber auch an die gedacht, die mir auf dem Weg geholfen haben“.

Dein Vater war ein sehr guter Ringer, ist heute ein erfolgreicher Trainer – dein Trainer, hört dann das Thema Ringen beim Abendbrot auch einmal auf ?

Luzie Manzke; „Eigentlich nicht, Ringen ist zu Hause schon das bestimmende Thema“.

Wie geht es weiter mit Schule, Sport und Beruf ?

Luzie Manzke; „Ich möchte mein Abitur machen und diese Zeit natürlich nutzen, um im Sport weiter zu kommen. Mein Lieblingsfach ist Englisch. Einen bestimmten Berufswunsch hab ich noch nicht, vielleicht im pädagogischen Bereich um später einmal mit Kindern arbeiten zu können“.

Im Sport ist natürlich eine Olympiateilnahme – und dann natürlich eine Olympiamedaille das Ziel eines jeden Leistungssportlers. Aber jetzt bin ich erst einmal noch zwei Jahre im Kadettenbereich und da möchte ich dann nach Silber 2011 in den kommenden Jahren schon gerne ganz oben stehen.

Urlaub, oder Ferien gab es nicht ?

Luzie Manzke; „Nein, das neue Trainings- und Wettkampfjahr hat schon begonnen, sicherlich lassen wir es jetzt erst einmal etwas ruhiger angehen, aber die nächsten sportlichen Höhepunkte warten schon“.