DM weibliche Jugend in Thalheim


Eine lange Fahrzeugkolonne war es, die sich am Freitag von Frankfurt(O.) aus in Richtung Erzgebirge in Bewegung setzte, beladen mit Ringerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Das Ziel hieß Thalheim, wo die diesjährigen Deutschen Meisterschaften der weiblichen Jugend ausgetragen wurden. Viele der jungen Damen der Jahrgänge 1999 bis 2003 aus den drei Landesverbänden nutzen das gute, leistungssportliche Umfeld an der Sportschule und am Leistungszentrum in der Odermetropole.

Nach den Gesamtergebnissen des weiblichen Bereich's aus dem Vorjahr, aber auch nach den vier Titeln von den Deutschen Meisterschaften der Juniorinnen, vor wenigen Wochen, sah Landestrainer Michael Kothe die jungen Sportschülerinnen aus Frankfurt(O.) in der Rolle der 'Gejagten'.

Und der erfahrene Coach sollte Recht behalten, vor allem der gastgebende Landesverband Sachsen bot alles auf, um selbst möglichst viele Medaillen und Punkte zu erhaschen. Dennoch stand der RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) am Ende ganz oben in der Vereinswertung, vor dem SV Luftfahrt Berlin und dem SV Warnemünde. Das Resultat des Kampfes war vor allem am Mattenrand zu spüren-, oder vielmehr zu hören, denn es herrschte eine einzigartige-, stimmungsvolle Ringerkulisse im Sportareal, rings um die beiden Matten wurde angefeuert, mitgefiebert, gejubelt- aber auch getröstet.

Freud und Leid auch im Lager der Frankfurter Sportschülerinnen; so bezwang Lisa Ersel (46 kg) mit einer taktischen Meisterleistung die Titelverteidigerin Emely Seelinger (KSV Seeheim) und sicherte sich später mit einem überzeugenden Finalsieg über Leah Bauer (AC Heusweiler) den Deutschen Meistertitel. Dagegen musste die Titelverteidigerin Serena Bölke (52 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) gegen ihre Erzrivalin Anastasia Blayvas (SV Halle) eine schmerzliche Niederlage hinnehmen-, kämpfte sich jedoch noch auf den Bronzeplatz. Josefine Purschke, die vom SV Warnemünde kommt und sich an der Sportschule in Frankfurt(O.) für eine leistungssportliche Laufbahn entschied, kämpfte sich im gleichen Limit zwischen Anastasia Blayvas und Serena Bölke auf den Silberrang.

Peggy Liedke (43 kg), die Sportschülerin, die für ihren Heimatverein Demminer RV startet, unterlag nur gegen die spätere Titelträgerin Lisa Eckert (RV Rimbach), aus den anderen vier Kämpfen ging der Schützling von Lehrertrainer Maik Bitterling als souveräne Siegerin hervor; Platz 3 am Ende für Peggy Liedke.

Die drei Goldmedaillen, die von Frankfurter Sportschülerinnen geholt wurden, gingen an den Landesverband Berlin, denn Lisa Ersel (46 kg), Janny Sommermeier (56 kg) und Frances Löhnhardt (65 kg) kämpfen für ihren Heimatverein SV Luftfahrt Berlin. „Hier gibt es eine gute Zusammenarbeit, die Berliner Vereine haben eine ganze Reihe von Ringerinnen, die in unserem guten, leistungssportlichen Umfeld  von Frankfurt(O.) den Sprung auf die internationale Ringerbühne schaffen könnten“, so Lehrertrainer Maik Bitterling. Die enge Zusammenarbeit mit dem Landesverband Berlin zum Vorteil beider Verbände hatten einst Marco Mütze gemeinsam mit Michael Kothe angestoßen, Mütze fungiert heute als Vizepräsident der Landesorganisation Berlin. Beide verweisen auf den bisherigen Weg von Lisa Ersel, die im Vorjahr Europameisterin wurde und bei den Weltmeisterschaften der Kadettinnen Bronze erzielte als Ergebnis der guten Zusammenarbeit. Gleiches gilt auch für einige Athletinnen aus Sachsen-Anhalt, so kam Jaqueline Eckrath vor einigen Jahren aus Magdeburg nach Frankfurt(O.), die nun für den RSV Hansa 90 erfolgreich in die Kämpfe um die Medaillenvergabe eingriff.

Freude im Betreuerteam um Michael Kothe und Maik Bitterling herrschte auch über den Leistungssprung der Athletinnen, die in Frankfurt(O.) selbst das Ringer-A-B-C erlernten. Die zielstrebige Nachwuchssichtung- und Entwicklung im weiblichen Bereich, um die sich auch Trainer Frank Hirte verdient gemacht hat, trägt damit erste Früchte. Während Maik Bitterling in Thalheim gerade bei Jaqueline Eckrath (70 kg) auf eine Medaille hoffte, war der Jubel über DM-Bronze durch Michelle Schnapp (40 kg) unüberhörbar. „Während Jaqueline Eckrath schon einige Kampferfahrungen bei größeren Wettkämpfen und Meisterschaften sammeln konnte, kämpft Michelle Schnapp das erste Jahr in der Altersklasse der weiblichen Jugend, daher ist der dritte Rang schon eine Riesen-Überraschung“, jubelte der Lehrertrainer über den Erfolg des kleinen Ringertalent's aus Frankfurt(O.).

Schmerzlich dagegen die Niederlage von Serena Bölke (52 kg) im entscheidenden Duell gegen Anastasia Blayvas, das ihr den Titel kostete, denn alle anderen Kämpfe gewann die Frankfurterin klar. „Das war ein sehr spannendes- und taktisch geführtes Duell“, beobachtete auch Bundestrainerin Alexandra Engelhardt den Kampf mit Finalcharakter.
„Die Deutschen Meisterschaften bringen eine gewisse Vorauswahl für Nominierungen zu internationalen Einsätzen-, aber auch zu Trainingslehrgängen der DRB-Auswahl“, wird Serena Bölke noch Möglichkeiten bekommen, diese knappe Niederlage auszumerzen.

Die Deutschen Meisterschaften verliefen insgesamt reibungslos, die Veranstalter in Thalheim haben sich große Mühe gegeben, ein schönes Umfeld zu schaffen“, so das Lob von Brandenburgs Landestrainer Michael Kothe an die Gastgeber. Sein Blick gilt nun sofort Eileen Friedrich, die sich mit der DRB-Auswahl in Saarbrücken auf die anstehenden Olympia-Qualifikationsturniere im April und Mai vorbereitet. Mit in Saarbrücken dabei sind auch Luzie Manzke, Debora Lawnitzak und Francy Rädelt, die bereits die Europameisterschaften der Juniorinnen im Juni in Bukarest (ROU) im Fadenkreuz haben.

Jörg Richter