Deutsche Meisterschaften der weiblichen Jugend



Hofmann-Schwestern hören auf, erfolgreicher Nachwuchs schon auf der Matte

Am Samstag werden in der Brandenburg-Halle die Deutschen Meisterschaften der weiblichen Jugend ausgetragen

Frankfurt(O.) - Nach den Deutschen Juniorenmeisterschaften 2003 erhielt die Ringerhochburg Frankfurt(O.) vom Deutschen Ringer- Bund den Zuschlag für die Deutschen Meisterschaften der weiblichen Jugend. 2012. Am kommenden Samstag geben sich junge Ringerdamen aus allen Bundesländern in der Brandenburg-Halle Frankfurt(Oder) ein ‚Stelldichein‘.
 

Seit etwa 30 Jahren verschaffen sich die Damen in der Männerdomäne Ringkampf zunehmend Platz. 1987 wurden die ersten Weltmeisterschaften in Lorenskog (Norwegen) ausgetragen. Führende Nationen waren dort Frankreich (5 Titel), Japan und Gastgeber Norwegen. Doch auch in Deutschland erkannte man das Potential, dass im Frauenringkampf steckt. Die erste WM-Medaille gewann 1995 in Moskau Nina Englich (KSV Witten) für den deutschen Frauenringkampf. Englich ? Ja richtig, Mirko und Yvonne Englich kämpfen derzeit für den RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) um ihre Olympiatickets für London 2012 – Nina Englich, die Schwester von Mirko Englich hatte die Ringerschuhe nach 10 Jahren Weltspitze, mit 9 internationalen Meisterschaftsmedaillen 2003 an den berühmten Nagel gehangen. Doch die deutschen Ringerdamen sind seither jährlich in den Ergebnislisten von Welt- und Europameisterschaften auf vorderen Rängen zu finden. Aktuell kämpft Yvonne Englich für Brandenburg auf internationaler Bühne, die 2011 bei den Europameisterschaften in Dortmund Bronze gewann.
 

Auch an Brandenburg ging der Siegeszug der Ringerdamen nicht vorrüber. Vor allem als 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen (GRE) der Frauenringkampf mit 4- von 7 Gewichtsklassen ins Olympische Programm aufgenommen wurde, führte in Brandenburg kein Weg mehr an der Weiterentwicklung der sogenannten 3. Stilart vorbei. Für den RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) waren es vor allem Annika und Nicol Hofmann, die man durchaus als Wegbereiterinnen für das Frauenringen in Brandenburg sehen kann. Den Medaillenreigen begann Annika Hofmann 2001 mit einer Silbermedaille bei den Europameisterschaften der Kadettinnen in Izmir (TUR). Insgesamt 7 internationale Meisterschaftsmedaillen sammelten die beiden Ringer-Schwestern seither ein, die nun, am Rande der Titelkämpfe in Frankfurt(O.) ihre lange – und erfolgreiche Laufbahn beenden.

Doch Sorgen um Nachfolgerinnen auf internationaler Bühne müssen sich Annika und Nicol Hofmann nicht machen, denn mit Eileen Friedrich, Luzi Manzke (beide Medaillengewinner der letztjährigen Europameisterschaften ihrer jeweiligen Altersklasse, sowie Katrin Henke (SAV Torgelow/Leistungszentrum Luckenwalde) glänzten 2011 gewannen gleich drei Brandenburgerinnen Edelmetall. Luzi Manzke holte 2011 bei den Kadettinnen EM-Silber, Eileen Friedrich und Katrin Henke Bronze bei den Europameisterschaften der Juniorinnen.
 

Mit der Aufnahme der Frauen ins Olympische Programm forcierte man auch in Frankfurt(O.) die Nachwuchsentwicklung bei den Frauen und Mädchen. Mit Michael Kothe wurde ein engagierter Trainer für den Frauenbereich gefunden, der eine stabile und schlagkräftige Frauenriege im Stützpunkt an der Oder aufbaute. Vor zwei Jahren kam Maik Bitterling als Lehrertrainer hinzu und brachte ebenfalls seine Erfahrungen als langjähriger Ringer und Trainer in den Mädchenbereich dieser Trainingsgruppen ein.

Inzwischen fassten eine ganze Reihe junger Mädchen im Altersbereich der weiblichen Jugend/Juniorinnen auf nationaler Ebene Fuß, Francy Rädelt und Marie Liebner klopfen neben Eileen Friedrich auch schon an die Tür zur DRB-Auswahl.
 

Im vergangenen Jahr wurde der RSV Hansa 90 Frankfurt(O.) erfolgreichster Verein der Deutschen Meisterschaften der weiblichen Jugend, die zusammen mit den A-Jugendlichen aus dem männlichen Bereich die Titelträger 2011 in Berlin ermittelten. Ein guter Grund für den RSV Hansa also, 2012 Heimrecht zu beantragen und dabei im eigenen Domizil ordentlich Werbung für eine Sportart zu machen, die es trotz vieler Erfolge, gegen die männlichen Mitstreiter noch immer recht schwer hat.

Dabei sind gerade Mädchen für den Kampfsport Ringen leicht zu begeistern. Auch für Kampfsportkurse an Schulen ist Ringkampf geradezu prädestiniert, denn Ringen ist die einzige Kampfsportart die nicht darauf abzielt einen Gegner zu verletzen, oder außer Gefecht zu setzen. Mit dem Sichtungsprojekt ‚Ringen in den Herbst‘ werden jedes Jahr viele Jungen- und zunehmend auch Mädchen für den Ringkampf begeistert.
 

„Natürlich wollen wir mit diesen Titelkämpfen vor heimischer Kulisse eine Bresche schlagen“, hofft Landestrainer Michael Kothe auf viele Zuschauerinnen, die sich vor Ort einfach mal über Frauenringen informieren können. „Natürlich kämpfen wir um Nachwuchs, denn eine gute Spitze wächst nur aus einer breiten Basis“, hoffen die beiden Frankfurter Trainer Michael Kothe und Maik Bitterling auf viele Zuschauerinnen, aber auch auf männliche Fans, die die Damen lautstark anfeuern. Und wirklich, immer mehr Mädchen entdecken Ringen für sich – nach den Deutschen Meisterschaften 2012 in der Brandenburg-Halle im Sportzentrum Frankfurt(O.) sind es sicherlich noch einige mehr.